Wer als Azubi, Fachkraft oder Weiterbildungsteilnehmer deutschsprachiges Fachmaterial durcharbeiten muss, obwohl Deutsch nicht die eigene Muttersprache ist, hat selten ein reines Übersetzungsproblem, sondern ein Verständnisproblem: Der deutsche Fachbegriff soll am Ende sicher sitzen, nicht durch eine fremdsprachige Version ersetzt werden. Statt Material komplett zu übersetzen, hilft in vielen Fällen eine Referenzsprache, die bei Bedarf zusätzlich zum deutschen Original eingeblendet wird.

Warum wird deutsches Fachmaterial zur doppelten Hürde, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist?

Ausbildungsunterlagen, Arbeitsanweisungen oder Berufsschulmaterial enthalten oft Fachbegriffe, die selbst für Muttersprachler nicht selbsterklärend sind. Kommt eine Fremdsprache dazu, wird aus einer fachlichen Hürde eine doppelte: Wer lernt, muss nicht nur einen neuen Begriff verstehen, sondern gleichzeitig mit der Sprache kämpfen, in der er steht.

Das betrifft nicht nur Berufseinsteiger mit Deutsch als Zweitsprache, sondern auch erfahrene Fachkräfte, die fachlich kompetent sind, aber die deutsche Fachsprache noch nicht vollständig beherrschen. Der Engpass liegt dann selten am fachlichen Können, sondern an der Sprache der Unterlage selbst.

Muss Fachmaterial deshalb komplett übersetzt werden?

Nicht zwangsläufig. Es lohnt sich, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden: einem offiziellen Dokument, das selbst dauerhaft in einer anderen Sprache gültig sein muss, und einer persönlichen Verständnishilfe für jemanden, der mit dem deutschen Original lernt. Für Ersteres bleibt eine vollständige, gepflegte Übersetzung oft nötig. Für Zweiteres reicht in vielen Fällen eine Übersetzung, die nur bei Bedarf neben dem deutschen Fachbegriff eingeblendet wird, ohne dass daraus ein eigenes, separat zu pflegendes Dokument entsteht.

Der Aufwand, ein Dokument tatsächlich in mehreren Sprachen aktuell zu halten, ist real: Ändert sich eine Arbeitsanweisung, muss die Änderung in jeder Sprachversion nachgezogen werden, was in der Praxis nicht immer zuverlässig passiert. Genau deshalb lohnt es sich vorher zu klären, ob ein Dokument wirklich als eigenständige Übersetzung existieren muss, oder ob für die lernende Person eine persönliche Verständnishilfe ausreicht.

Separate Übersetzungen Original (Deutsch) Kopie in Sprache A Kopie in Sprache B Jede Kopie separat pflegen Original + Referenzsprache Ein Original (Deutsch) ↓ individuell pro Person Sprache A Sprache B Eine Lernquelle + individuelle Sprachhilfe

Wann lohnt sich welcher Ansatz?

Beide Wege haben ihre Berechtigung, nur für unterschiedliche Situationen:

Vollständige Übersetzung sinnvoll Referenzsprache oft ausreichend
Dokument muss dauerhaft in mehreren Sprachen offiziell gültig sein Ziel ist vor allem, dass die Person das deutsche Original versteht
Rechtlich bindende externe Kommunikation, etwa Verträge Fachliches Lern- und Ausbildungsmaterial
Wenige, selten geänderte Dokumente Häufig aktualisiertes oder wachsendes Material
Dokument muss eigenständig in der Fremdsprache bestehen Deutsches Original bleibt die verbindliche Quelle

Für viele interne Lern- und Ausbildungsinhalte kann die rechte Spalte ausreichen. Eine vollständige Übersetzung bleibt dort sinnvoll, wo ein Dokument tatsächlich eigenständig und dauerhaft in einer anderen Sprache existieren muss, nicht nur zum besseren Verständnis eines deutschen Originals.

Für welches Material eignet sich eine Referenzsprache besonders?

Am meisten bringt eine Referenzsprache bei Material, mit dem einzelne Personen direkt lernen: Ausbildungsunterlagen, Berufsschulstoff, Arbeitsanweisungen, Einarbeitungsunterlagen, Produktschulungen oder interne Prozessbeschreibungen. Besonders interessant ist der Ansatz bei Material, das regelmäßig ergänzt oder aktualisiert wird und bei dem eine persönliche Verständnishilfe ausreicht.

Besonders gut passt das für Auszubildende, die parallel Berufsschulmaterial auf Deutsch durcharbeiten, aber noch nicht in jeder Fachsprache sattelfest sind: Sie lernen weiterhin mit dem echten deutschen Berufsschulmaterial, nicht mit einer vereinfachten Parallelversion, haben aber bei Bedarf Unterstützung beim Verstehen.

Ähnlich sieht es bei internationalen Fachkräften in der Einarbeitung oder bei Weiterbildungsteilnehmern aus: Auch hier bleibt das fachliche Ziel identisch, nur die sprachliche Unterstützung beim Lernen unterscheidet sich von Person zu Person.

Sonderfall: Was gilt bei sicherheitsrelevanten Unterweisungen?

Bei sicherheitsrelevanten Unterweisungen reicht eine persönliche Verständnishilfe allein allerdings nicht aus. Welche Anforderungen an Unterweisung, Sprache und Nachweis gelten, hängt vom konkreten Fall ab und sollte bei rechtlich verbindlichen Inhalten entsprechend geprüft werden.

Quabi setzt an genau diesem Verständnisproblem an, nicht an der offiziellen Dokumentation: Fotografiertes oder hochgeladenes deutsches Material wird in Lernkarten umgewandelt, bei denen jede Person zusätzlich eine Übersetzung aus über 15 Referenzsprachen einblenden kann. Das deutsche Original bleibt dabei unverändert, die Übersetzung ist eine persönliche Verständnisebene, kein separates offizielles Dokument, und ersetzt entsprechend auch keine vorgeschriebene Unterweisung.

Wie lässt sich das in der Praxis anstoßen?

In drei Schritten, unabhängig davon, ob es von einem Ausbildungsbetrieb, einem Bildungsträger oder einer einzelnen Person selbst ausgeht:

1. Passendes Material identifizieren. Ausbilder oder Bildungsträger haben oft schon mehr geeignetes Material zur Hand, als ihnen bewusst ist: Ausbildungsunterlagen, Arbeitsanweisungen, Einarbeitungsunterlagen oder Produktschulungen. Der erste Schritt ist, dieses Material zu identifizieren und Auszubildende oder Fachkräfte mit anderer Muttersprache aktiv darauf hinzuweisen, dass eine Referenzsprache verfügbar ist. Wie sich solches Material grundsätzlich digitalisieren lässt, auch ganz ohne Kursverwaltungssystem, beschreibt der Artikel zur Fachausbildung ohne LMS.

2. Jede Person lädt ihr Material selbst hoch. Aktuell braucht jede Person einen eigenen Zugang, lädt das Material selbst hoch und stellt die eigene Referenzsprache ein. Eine zentrale, geteilte Bibliothek für ganze Teams gibt es derzeit nicht.

3. Mit einem überschaubaren Bereich starten. Statt gleich mit dem kompletten Material zu starten, hilft ein einzelner, klar abgegrenzter Bereich, etwa ein Ausbildungsfach oder eine Materialgruppe. Zeigt sich der Ansatz dort als hilfreich, lässt er sich schrittweise auf weiteres Material ausweiten. Das funktioniert genauso für eine einzelne Person wie für mehrere Auszubildende oder Teilnehmende, die nacheinander damit anfangen.

Was ist der Unterschied zu einem reinen Übersetzungstool?

Ein reines Übersetzungstool übersetzt einmalig Text, ohne dass daraus automatisch etwas Lernbares wird. Der Unterschied zu einer klassischen Übersetzung: Es entsteht kein zweites Dokument, das separat gepflegt werden muss, sondern eine Übersetzung, die gezielt als Verständnishilfe neben dem deutschen Fachbegriff steht, statt ihn zu ersetzen. Ziel ist nicht die Übersetzung selbst, sondern dass die Person am Ende den deutschen Fachbegriff sicher beherrscht, auch ohne die Übersetzung noch zu brauchen.

Am Ende bleibt die eigentliche Frage nicht "Wie übersetzen wir unser Material", sondern: Wie sorgt man dafür, dass eine Person das verbindliche deutsche Original tatsächlich versteht, ohne dass daraus ein zweites, separat zu pflegendes Dokument entsteht. Für viele Ausbildungs- und Fachinhalte lässt sich das mit einer persönlichen Verständnishilfe lösen, ohne eine eigene Übersetzungsstruktur aufzubauen.


Mit Quabi deutsches Fachmaterial verstehen, auch wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist: Unterlagen fotografieren oder hochladen, Deutsch bleibt Lernsprache, jede Person stellt sich zusätzlich ihre eigene Referenzsprache aus über 15 verfügbaren Sprachen ein.